DAS ALEVITISCH-BEKTASCHITISCHE KULTURINSTITUT e.V.

  1. Einführung

Seit den Anfängen ihres Bestehens ist die Menschheit nun auf der Suche nach den Gründen ihrer Existenz. Die Suche nach der Antwort auf die elementaren Fragen “warum?“ und “weshalb?“ begründete die Werdung der Zivilisationsgeschichte, während sämtliche Glaubens-und philosophische Lehren Unternehmungen zur Erklärung des Objektiven dienlich gewesen sind. Die Denktradition etablierte sich schon im Alten Griechenland, Ägypten, Babylonien, China, Indien sowie anderen Erdteilen auf eben diese Art und Weise. Der Mensch bildet in diesem Zirkel um Existenz-Welt-Leben den Ausgangspunkt aller Überlegungen. Mit seiner Kompetenz zum eigenständigen Denken stellt der Mensch in seinem Umfeld sowie im gesellschaftlichen Leben den Grundstein dar. Gleichzeitig ist der Mensch im Zuge der von ihm geschaffenen gesellschaftlichen Systeme und Organe auch ein soziales Gut. Die Sozialisation des Menschen zeigt auch dessen geistige und psychologische Facetten auf, wobei der menschliche Urtrieb -nämlich die Infragestellung seiner Außenwelt und ihre Erklärungsversuche -die Entwicklungsetappen bei der Entstehung eines Denkhorizonts hervorbrachte. Während die Denkrichtungen in der Geschichte der Denktraditionen die eigene Ontologie auf eine allumfassende Weise erklärten, entwickelte die alevitisch-bektaschitische Denk-und Weltanschauungstradition ihre Lehre stets mit dem Menschen im Mittelpunkt.

Das alevitisch-bektaschitische Verständnis, das der Existenzfrage nicht in der physischen Welt nachgeht, sieht den Schlüssel in der Entwicklung menschlicher Transformationsprozesse und war nicht nur ein Ort zur Beschreibung des idealen Menschen, sondern auch eine Schule der Emporbringung solcher. Der Terminologie der Lehre zufolge galt der vollkommene Mensch als Inbegriff und Träger humaner Werte. Im Gegensatz zu der traditionellen Sichtweise in den Kategorien Erschaffer-Erschaffener-Materie hat die alevitisch-bektaschitische Lehre die Parallelität von Einmaligkeit-Mehrheit hervorgebracht. Die alevitisch-bektaschitische Lehre, die den Faktor Mensch zum Zentrum ihrer ontologisch­epistemologischen Struktur bestimmte, hat sich der gott-wie menschenbezogenen Anregungen als Grundsatz angenommen. Die Denkschule Hadschi Bektasch Walis seit dem

  1. Jhdt. hat allen Widrigkeiten in sozialen, politischen und kulturellen Zuständen zum Trotz, stets den Menschen im Zentrum ihrer Aussagen gesehen, was unter anderem in Walis Formulierung “ganz gleich ob Mann oder Frau, in der Liebe spielt dies keine Rolle“ zum Ausdruck kommt. Ohne eine Differenzierung nach Geschlecht, Rasse, Nation oder Glaubensrichtung zu machen, macht die alevitisch-bektaschitische Lehre das Tatsächliche in der Selbstvollendung eines jeden Menschen aus. Mit dieser Denk-und Weltanschauungslehre hat das Aleviten-Bektaschitentum neben Anatolien an erster Stelle, eine sehr weite Ausbreitung seiner Philosophie vom Balkan bis nach Nordafrika erreichen können und wurde in diesen Geographien zur historischen, kulturellen und weltanschaulichen Realität. Mit dem Anbruch des 21. Jhdt. etablierte sich die alevitisch-bektaschitische Lehre mit der Niederlassung ihrer Angehörigen in Europa, den USA und Australien zu einer weltweiten Realität.

Alevitisch-bektaschitische Denk-und Weltanschauungstraditionen wurden in Anatolien bereits ab dem 13. Jhdt. ins Leben gerufen. Hadschi Bektasch Wali sowie weiteren Derwischen mit historisch-charismatischer Persönlichkeit wurden Titel wie dede, baba oder sultan verliehen und wurden zu Vorläufern alevitisch-bektaschitischer Lehre. Hadschi Bektasch Wali -Schüler von Hodscha Ahmed Yesevi, der zwischen der zweiten Hälfte des

  1. Jhdt. und der zweiten Hälfte des 12. Jhdt. gelebt und gewirkt hatte -trug als Adept diese mystisch geprägte Lehre nach Anatolien hinein. Das 13. Jhdt. stellt für die anatolische Historie und Kultur einen bedeutsamen Meilenstein dar, weil Hadschi Bektasch Wali und eine Gruppe um ihn organisierter Derwische entgegen aller vorherrschenden politischen, militärischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Widrigkeiten in Kleinasien (Anatolien) eine mensch-bezogene Lehre begründeten. Diese Lehre war in der Lage, ungeachtet der Hegemonie eines im Mittelalter vorherrschenden Paradoxon zwischen Erkenntnis und Glaube, den Menschen ein Modell zu liefern, welches der Verfremdung entgegenwirkte.

Das Aleviten-Bektaschitentum zog es vor, die Analyse des Mystischen und Rationalen auf einer symbolischen Ebene zu praktizieren. Die Instrumente dieses Ansatzes finden sich in dem im Namen von Hadschi Bektasch Wali erstellten velayetname wieder. Das prägnanteste Beispiel der im Text zu anzutreffenden Symbolismen ist die Darstellung von Hadschi Bektasch Wali und seiner Lehre in Form einer weißen Taube, womit der ursprüngliche Charakter der Lehre verdeutlicht werden soll. Die ideengeschichtlichen Missionen Hadschi Bektasch Walis und seiner Adepten aus Khorasan kann man deren Aktivitäten in Anatolien und auf dem Balkan entnehmen. Derwische, die im dergah von Hadschi Bektasch Wali ausgebildet wurden, wurden im 13. Jhdt. nach Anatolien und auf den Balkan gesandt, wo sie zu den Vertretern alevitisch-bektaschitischer Denk-und Weltanschauungslehren wurden. In diesem Kontext wurden die Derwische Güvenç Abdal ins Gümüshane-Kürtün-Harsit-Tal; Karadonlu Can Baba in die Region Sivas-Erzincan; Koluaçik Hacim Sultan nach Usak; Seyid Cemal Sultan und Resul Baba in das Gebiet um Kütahya-Afyonkarahisar-Eskisehir (im Ostägäis); Sari Ismail in die Stadt Denizli sowie der Derwisch Sari Saltik auf den Balkan (Osteuropa) entsandt. Mit der Niederlassung dieser Derwische an ihren Ankunftsregionen war die Neugründung von Dörfern, ocaks oder Derwischkloster verbunden, die im späteren Verlauf die Anfänge der Urbanisierung in diesen Gebieten darstellten. Diese Adepten, von denen jeder ein sozial-religiöser Anführer gewesen ist, haben in ihren Wirkungsgebieten die gesellschaftlich-religiösen Traditionen der Ortsansässigen eingehend mitgeprägt. In sozial­anthropologischem Kontext erscheint es besonders bedeutsam, dass die obig benannten Derwische ideengeschichtlich tiefe Spuren hinterließen, die noch Jahrhunderte später auszumachen sind. Ein besonderes Beispiel liefert uns etwa der Derwisch Sari Saltik aus dem

  1. Jhdt., dessen Leben und Wirken noch heute heilige Stätten vor allem in Rumänien-Babadagh sowie in Bulgarien, Mazedonien, Kosovo und Albanien bezeugen. Ein weiterer von Hadschi Bektasch Wali entsandter Derwisch war Güvenç Abdal, der ins Gümüshane-Kürtün­Harsit-Tal kam. Er gründete das Dorf Taslica (Sihli) in Harsit und erreichte eine Ausdehnung seiner sozial-und ideengeschichtlichen Lehren über Kürtün bis auf das Gebiet der gesamten Schwarzmeer-Küste. Der Çepni-Stamm, der die Region rund um das Dorf Taslica besiedelte, haben ihren Einfluss auf das Gebiet bis nach Sinop ausweiten können. Die Çepni, die sich der Denk-und Weltanschauungslehren des Hadschi Bektasch Wali mittels Güvenç Abdal annahmen, haben ihre Denk-und Weltanschauungstraditionen während ihrer ganzen Geschichte bewahren können. Eine alevitische dede-ocak-Tradition nach Güvenç Abdals Lehren ist nach wie vor in den Provinzen wie etwa Gümüshane, Trabzon, Giresun, Ordu, Samsun, Zonguldak, Düzce, Kocaeli, Tokat, Erzurum, Kars, Sivas, Çorum oder Yozgat anzutreffen.

An dieser Stelle ist es möglich, neben den beiden Adepten noch viele weitere Beispiele zur Verdeutlichung der historisch-religiösen Entwicklung alevitisch­bektaschitischer Lehrtradition zu liefern. Anhand dieser historischen Materialien ist eine Auswertung der Vorschläge der Lehre für Mensch und Gesellschaft möglich. Mit dieser methodologischen Vorgehensweise erscheint es möglich, den Denkhorizont des Aleviten-und Bektaschitentums zu verbildlichen. Das Aleviten-Bektaschitentum, das auf keinerlei politischer, ökonomischer oder militärischer Macht begründet ist, hegte in seiner Geschichte zu keiner Zeit hegemoniale Ambitionen irgendeiner Art; vielmehr etablierte es eine humanistische Sichtweise auf den Menschen. Dies ist eine Errungenschaft, die das Aleviten­und Bektaschitentum der universellen Zivilisationsgeschichte vermacht hat. Yunus Emre, einer der bedeutenden Vertreter der Lehren Hadschi Bektasch Walis im 13. Jhdt., formulierte diese Universalität mit eigenen Worten:

“Ete, kemige büründüm, Yunus diye göründüm“

Ein weiterer Vers stammt aus der Feder des Pir Sultan Abdal, der im 16. Jhdt. in Sivas-Banaz mit folgenden Worten an die Menschheit appellierte:

“Dört sey vardir karindasa cok lazim, Bir ilm, bir kelam, bir nefes, bir saz.“

Ein weiterer charismatischer Vertreter der alevitischen Theologie aus dem 16. Jhdt. war Schah Hatayi, der das alevitisch-bektaschitische Denken auf seine besonders ästhetische Art und Weise in diesen Vers fasste:

“Bir kandilden bir kandile atildim Turab oldum yeryüzüne sacildim Bir zaman Hak idim Hak ile kaldim Gönlüme od düstü yandim da geldim“

Das Wort war im alevitisch-bektaschitischen Verständnis zu keiner Zeit lediglich in der Prosa ausschlaggebend; vielmehr wurde dem Wort neben der künstlerischen Bedeutung vor allem eine sozial-denkerische Dimension beigemessen. So etablierten sich Dichtung und Musik zu den beiden elementarsten Werkzeugen bei der Vermittlung der alevitisch-bektaschitischen Lehre. Das Wort meisterhaft in künstlerische Formen zu fassen und so an den Zuhörer zu bringen, beherrschten Yunus Emre, Pir Sultan Abdal, Sah Hatayi, Kaygusuz Abdal, Virani Abdal, Yemini oder Kul Himmet besonders gut, wobei diese nur einige wenige unter vielen Hundert gewesen sind. Während diese Kunstdichter als Mittler bei der Überbringung der Lehre auftraten, ging damit eine Betrachtung und Analyse der Menschen, des Lebens, des Glaubens und der Gesellschaft einher. In ihrer geschichtlichen Entwicklung spielte für die alevitisch-bektaschitische Lehre neben dem Wort auch die Musik eine übergeordnete Rolle. Das Baglama wird innerhalb der alevitisch-bektaschitischen Lehre mitunter als “Koran mit Saiten“ tituliert und soll die Transformation des gesprochenen Wortes in Klänge verdeutlichen. Aus diesem Grund ist die Geschichte der alevitisch-bektaschitischen Lehre im Hinblick auf die Entwicklung der Literatur oder Musik als wissenschaftliche Disziplin von Bedeutung.

Das Aleviten-Bektaschitentum sah sich in seiner gesamten Historie Reaktionen seitens der jeweils herrschenden Kaste, herrschenden Kultur oder anderer Glaubensanhänger ausgesetzt, da es traditionell Werte wie den Humanismus, göttliche Liebe, Gleichheit und Teilen zum Hauptbestandteil seiner Lehre machte. Die Aleviten stellten schon sehr früh einen wichtigen Anteil an der anatolischen Landbevölkerung und vertraten abseits urbaner Zentren ihre Denk-und Weltanschauungstraditionen und vertraten die Lebenswelten der außerstädtischen Bevölkerung. Das Alevitentum befand sich in stetigem Kontakt mit dem Alltagsleben sowie den sozialen Realitäten und verstand sich als Normenwelt der ländlichen Bevölkerung. Die religiösen Institutionen im Alevitentum, die in der Literatur als so genannte dede-ocak-Institutionen Erwähnung finden, waren schon immer integraler Bestandteil der alevitischen Glaubenswelt. Die alevitischen dede-ocak-Institutionen haben im Laufe der Zeit zwei wichtige Rang-Klassifizierungen geschaffen: nämlich die der dedes und der talips. Der Cem genannte rituelle Vorgang sowie die grundsätzliche Einbringung von Motiven wie Reue, Beredsamkeit, Anstand, Genügsamkeit, Zuneigung als Teil des Glaubenslehre spielten sich in den dede-ocak-Institutionen ab. Die Zugehörigkeit zu einer solchen ocak stellte für das alevitische Individuum dessen denk-und weltanschauliche Identität dar. Auf dem Prinzip “el ele, el Hakk´a“ aufbauend wurde innerhalb des alevitischen Glaubenssystems der weltanschauliche, kulturelle und soziale Bereich diszipliniert.

Das Bektaschitentum wurde mit Balim Sultan zu einer denk-und weltanschaulichen Systematik mit nunmehr Ritualen, Institutionen und Statuten strukturiert. Das Bektaschitentum, das primär von der historisch-charismatischen Persönlichkeit Hadschi Bektasch Walis geprägt wurde, versuchte durch Glaubenseinrichtungen wie den Derwischklostern die Menschheit zu erreichen. Insbesondere in urbanen Zentren systematisch organisiert, konnten die Bektaschiten vor allem auf dem Balkan eine solide Existenz etablieren. Diese historische, institutionelle und religiöse Verwurzelung des Bektaschitentums auf dem Gebiet des Balkans lässt sich auch heute noch feststellen. Das Bektaschitentum organisierte sich im 14.-15. Jhdt. unter dem Wirken von Kaygusuz Abdal auch in Nordafrika; und das in Ägypten unter seinem Namen geführte bektaschitische Derwischkloster fungierte bis ins 20. Jhdt. als wichtiges regionales Glaubens-und Kulturzentrum. Im 21. Jhdt. wurde das Bektaschitentum durch dessen Angehörige auf den europäischen und amerikanischen Kontinent hinausgetragen. Dabei baute die bektaschitische Lehre ihre Handlungsräume in Form von Hadschi Bektasch Wali Derwischklostern (Pirevi) auf unterschiedlichen Breitengraden aus. Traditionelle Ränge und Würdentitel bei den Bektaschiten heißen dedebaba, halifebaba, baba, dervis und muhip.

Die bisher in Teilen beschriebene alevitisch-bektaschitische Denk-und Weltanschauungslehre ist der Aufruf der Adepten-Lehre an die menschliche Zivilisation. Die alevitisch-bektaschitische Lehre ist der Versuch einer Abgrenzung des idealen Menschen und einer idealen Gesellschaft jenseits aller offiziellen Geschichtsforschungsergebnisse und mechanischen Explorationen. Das 20. Jhdt. ist eine Ära des Versuchs, die Gesellschaften dieser Erde in kapitalistischer Ausrichtung zu transformieren und in eine unipolare Welt hinzuführen. Die Menschheit sieht sich heute einer sich mehr und mehr vollziehenden Auflösung humaner Werte gegenüber, und wir stellen allgemein eine kontinuierliche Zunahme einer Individualisierung und pragmatischer Positionen fest, die mit der Gefahr einer sozialen, kulturellen, ökonomischen und politischen Auflösung einhergeht. Dagegen kann die menschenbezogene Weisheit eines Hadschi Bektasch Wali, die Aufrichtigkeit eines Yunus Emre in dessen Weltanschauung und Ideen, die Lebensbegeisterung eines Pir Sultan Abdal oder etwa die realitätsbezogene Lehre eines Edib Harabi als unentbehrliche und schützenswerte Werte und Tugenden gesehen werden.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. wurde im Bewusstsein der Bedeutung der ideengeschichtlichen Mission des Aleviten-und Bektaschitentums in Deutschland im Jahre 1997 ins Leben gerufen. Das Institut hat sich zum Ziel gesetzt, die alevitisch-bektaschitische Realität auf wissenschaftlich fundierter Grundlage zu erforschen, den historischen Prozess zu analysieren, mündliche und schriftliche Quellen festzustellen, andere wissenschaftliche Disziplinen und Forschungen zum Thema zu unterstützen und akademische Arbeiten zu fördern. Ausgehend von dem Glauben, dass das Aleviten-und Bektaschitentum eine weltanschauliche Realität repräsentiert, legt das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. besonderen Wert auf die Pflege und Fortführung dieser historischen und weltanschaulichen Lehre. Eine der primären Zielsetzungen des Instituts besteht in der Vermittlung der rituellen Praktiken, glaubenspraktischer Inhalte und philosophischer Botschaften an die Angehörigen der alevitisch-bektaschitischen Lehre und die gesamte Menschheit. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. ist somit nicht nur eine wissenschaftliche Forschungsanstalt in Deutschland, sondern auch ein religiöses und kulturelles Zentrum. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. bietet zudem eine Grundlage zur kritischen Betrachtung alevitisch-bektaschitischer Denk-und Weltanschauungslehren unter Wahrung ihrer historischen Traditionen. Denn einzig unter diesen Umständen kann die alevitisch-bektaschitische Gemeinschaft Imam Alis Zitat “Ich diene demjenigen vierzig Jahre als Sklave, sofern er mich auch nur einen Buchstaben lehrt“ sowie Hadschi Bektasch Walis Ausspruch “Das Ende jeden Pfades ist Dunkelheit, wenn es nicht der Pfad des Wissens ist“ gänzlich verstehen und zu ihrem Lebensinhalt erheben. Mit einer wissenschaftlichen Annäherung an das Thema und die Vorgehensweise werden dazu beitragen, historischen Spekulationen, Polemiken und Fehlern zum Thema Aleviten-und Bektaschitentum entgegen zu treten.

  1. Ziele und Tätigkeiten

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. hat es sich zum vorrangigen Ziel gesetzt, das historische, ideelle und weltanschauliche Profil der alevitisch-bektaschinischen Lehre auf wissenschaftlicher Grundlage zu durchleuchten. Die alevitisch-bektaschitische Schule, die sich ihrem Selbstverständnis nach dem Menschen und dessen Werten verpflichtet sah, war lang Zeit ihrer Möglichkeit der Entfaltung ihrer philosophisch-denkerischen Lehre in einem demokratischen Umfeld aus politischen und kulturellen Gründen unter den vorherrschenden Denkdoktrinen stets beraubt. Dieser soziologisch-historische Umstand führte mitunter dazu, dass die Führung von Einrichtungen und Institutionen durch Aleviten und Bektaschiten problematisch wurde. Während eines über Jahrhunderte andauernden Prozesses wurden alevitisch-bektaschitische Glaubens-und Kulturzentren einer stetigen Beobachtung ausgesetzt sowie lehrenbezogene Quellen und Dokumente zerstört und die Anhänger der alevitisch-bektaschitischen Glaubenslehre zwangsumgesiedelt oder -angesiedelt.

Mit dem Anbruch des 21. Jhdt. wurde der Bedarf an wissenschaftlichen Arbeiten zum Aleviten-und Bektaschitentum sehr offensichtlich. In diesem Zusammenhang nimmt die Notwendigkeit einer gegliederten Archivierung aller mündlichen und schriftlichen Primärquellen über das Aleviten-und Bektaschitentum als Grundvoraussetzung für wissenschaftliche Forschungsarbeiten einen erheblichen Rang ein. Daher erscheint ebendiese Archivierung von Quellenmaterialien als eines der primären Ziele des Alevitisch-Bektaschitischen Kulturinstituts e.V. Angesichts kurz angerissener soziologischer Ursachen war dem Aleviten-Bektaschitentum bis dato eine Klassifizierung und Erstellung eines Archivs zur Historie nicht möglich, obschon ein solcher Schritt eine strategische Bedeutung bei der Frage der Weitergabe und Fortbestehen der Lehre in der Zukunft hat. Der erste Weg in dieser Richtung beinhaltet die Herausarbeitung von schriftlichen Quellen wie beispielsweise Stammbäumen, Erlassen, Zeugnissen oder Stiftungsurkunden sowie deren Sicherheitskopieerstellung, Restauration und Pflege sowie anschließende Aufbewahrung. Insbesondere historische Quellen aus dem Besitz von dede-Familien liefern bezüglich alevitischer dede-Glaubenshäuser und deren Geschichte sowie der organischen und weltanschaulichen Verflechtungen zueinander belangreiche Auskünfte. Schriftliche Quellen aus alevitischen dede-Glaubenshäusern eignen sich als hervorragende Unterlagen zur Erforschung alevitischer historischer Entwicklung. Die zweite Etappe bildet bei der Archivarbeit die Zusammentragung aller Materialien, die zum Verständnis der philosophischen Facetten alevitisch-bektaschitischer Lehre von Bedeutung sind; als da wären Epen, Preislieder, Sinngedichte, Heldenlieder, velayetname, Anthologien und Diwane. Die reiche literarische und musikalische Tradition des Aleviten-und Bektaschitentums ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Ein weiterer Bestandteil dieser Arbeiten wird die Archivierung der musikalischen Aspekte aus der alevitisch-bektaschitischen Musiktradition sein, wobei mit der asik-Tradition eine wichtige ästhetisch-künstlerische Form erreicht wurde. Auf diese Art und Weise wird der Grundstock für eine Sammlung aller aus der Geschichte bis in unsere Zeit überlieferten Aspekte zur alevitisch-bektaschitischen historischen Denktradition gelegt sein.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. vertritt den Standpunkt, dass die durch die Archivarbeit erzielten Resultate im Kontext zu weiteren wissenschaftlichen Disziplinen einer Analyse unterzogen werden müssen; beispielshalber unter dem Aspekt der Philosophie, Geschichte, Soziologie, Anthropologie, Gesellschaftswissenschaften, Literaturwissenschaften oder Musikwissenschaften. Durch diese Vorgehensweise eröffnet sich die Möglichkeit einer kritischen Begegnung mit alevitisch-bektaschitischen Quellen mittels benannter Wissenschaftsbereiche. Eine weitere Bestrebung des Alevitisch-Bektaschitischen Kulturinstituts e.V. besteht in der strukturellen und wissenschaftlichen Kooperation mit Universitäten sowie der Pflege und Vertiefung der Zusammenarbeit auf einer akademischen Grundlage. Auch sieht sich das Institut in der Pflicht, als Bindeglied zu fungieren zwischen dem Institut und Menschen, die sich mit der alevitisch-bektaschitischen Lehre wissenschaftlich beschäftigen, sowie den Dialog mit diesen Kreisen zu potenzieren. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. erachtet die Thematisierung des Aleviten-Bektaschitentums als beispielsweise Thema eines Examens oder Dissertation für elementar im Namen der Wissenschaft. So befürwortet das Institut die Publikation diesbezüglich angefertigter Facharbeiten in besonderem Maße, zumal diese einen außerordentlichen Beitrag zur Evolution alevitisch-bektaschitischer Literatur beisteuern und in die Vervollkommung typologischer wie terminologischer Arbeiten münden. Der Beihilfe bei der Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten sowie die Förderung der Ausbildung von Experten im Bereich alevitisch-bektaschitischer Lehre misst das Institut einen weiteren erheblichen Rang bei. Die numerisch geringe Anzahl in diesem Segment spezialisierter Fachkundiger wird als eines der erheblichsten Mankos bei Vermittlung der alevitisch-bektaschitischen Lehre gesehen.

Für die Publikation wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema Aleviten-Bektaschitentum hat sich das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. zur Herausgabe einer Zeitschrift entschieden, das als offizielles Organ periodisch alle sechs Monate erscheinen soll und alle wissenschaftlichen und inhaltlichen Kriterien einer Fachzeitschrift erfüllen soll. Neben der Publikation der Zeitschrift in vollständig türkischer und deutscher Sprache wird es ein Abstract aller Beiträge in englischer Sprache geben. Mit Hilfe von zu bildenden Fach-und Beratungsausschüssen wird versucht werden, die Unterstützung von Experten auf dem Gebiet alevitisch-bektaschitischer Lehre sowie der alevitisch­bektaschitischen Glaubensvertreter zu gewinnen. Die darin abgedruckten Fachartikel werden im Zuge der Bewertung durch einen Schiedsbeirat offiziell als wissenschaftliche Publikationen eingestuft werden. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. wertet diese redaktionelle Arbeit als sehr bedeutsam, da auf diesem Weg das akademisch­wissenschaftliche Wissen der Gesellschaft zugänglich gemacht wird.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. addiert im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit zudem die Durchführung von Feldstudien zu seinen Hauptprogrammen. Insbesondere die Durchführung wissenschaftlicher Feldstudien in Anatolien und auf dem Balkan als Hauptverbreitungsgebiete der alevitisch-bektaschitischen Lehre wird, bezogen auf die Erfassung der mündlichen und schriftlichen Quellen zur Entwicklungsgeschichte des Aleviten-und Bektaschitentums, besondere Priorität zuteil. Die Bedeutung einer solchen Arbeit wird deutlich in Anbetracht der Tatsache, dass bereits in der Vergangenheit die bedeutendsten Erkenntnisse zur Historie dieser Lehre mittels erwähnter Feldstudien gewonnen wurden. So wird es auf diesem Wege möglich sein, in Zukunft neue Informationen und Quellen durch derartige Studien zu erzielen. Im Zusammenhang mit den Feldstudien wird ein Mittel gefunden, die Aktionsfelder der alevitischen dede-ocak-Institutionen herauszuarbeiten sowie Erkenntnisse zur rituellen Praxis und der asik-Tradition zu gewinnen. Parallel zu den Feldstudien wird speziell an der Zusammentragung von Erkenntnissen über alevitische dede-ocak-Institutionen sowie bektaschitische Derwischkloster und deren charismatische Vorsteher gearbeitet. Dies wird mitunter dazu beitragen, dass die Welt der Wissenschaft den historischen, denkerischen und weltanschaulichen Grundbau alevitisch-bektaschitischer Lehre fundierter erfassen können wird. Ein den Feldstudien ähnelndes wissenschaftliches Vorgehen wird sein, die in diversen Universitäts-und internationalen Bibliotheken befindlichen alevitisch-bektaschitischen Quellenmaterialien zu katalogisieren. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. möchte außerdem im Rahmen eines ausgearbeiteten Programms die an diversen Adressen verstreuten Schriftquellen seinen Katalogen zuführen und mitarchivieren. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. unterhält regen wissenschaftlichen und akademischen Kontakt zu Wissenschaftlern in der Türkei und anderen europäischen Staaten, die zum Thema Aleviten-Bektaschitentum forschen. Im Sinne dieser Kontakte realisiert das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. in einigen zeitlichen Abständen Symposien, Konferenzen und Panelle und führt in seiner Zentrale in Deutschland unter Mitwirkung von Experten wissenschaftliche und akademische Arbeiten durch.

Zu den vom Alevitisch-Bektaschitischen Kulturinstitut e.V. durchgeführten Projekten gehört auch eine Reihe von glaubensinhaltlichen und kulturellen Veranstaltungen, zumal die Durchführung grundlegender Rituale und glaubensrelevanter Praktiken alevitischer und bektaschitischer Lehren zu den Gründungsmissionen des Instituts gehören. So ist es eine der Hauptaufgaben des Instituts, an den für das Aleviten-Bektaschitentum bedeutenden Tagen und Ereignissen wie beispielsweise dem muharrem, nevruz oder hidirellez weltanschaulich­kulturelle Veranstaltungen ins Leben zu rufen und diese Tage zu begehen. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. befürwortet eine den zeitlichen Gegebenheiten adaptierte Entwicklung der alevitisch-bektaschitischen Denk-und Weltanschauungslehre im Hinblick auf ihre natürliche, historische und denkerische Tradition. Aus diesem Grund wirkt die Einrichtung im Rahmen ihrer weltanschaulich-kulturellen Aktivitäten bei Veranstaltungen in der Türkei und in der Welt, allen voran das Fest in Andenken an Hadschi Bektasch Wali, mit und unterstützt solche.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. ist eine Institution, die in der oben angeführten Art und Weise weltanschauliche, kulturelle und wissenschaftliche Aufgaben wahrnimmt. Das Institut wird weiterhin an der Pflege, Fortführung und Bekanntmachung alevitisch-bektaschitischer Denk-und Weltanschauungslehren unter allen Menschen arbeiten. Für das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. ist von Belang, dass entgegen jeder Rassen-, Glaubens-, Sprach-, Geschlechter-, Nationen-und ideologischer Trennung der zivilisatorische Beitrag alevitisch-bektaschitischen Denkansatzes in seinem den Menschen in seinen Mittelpunkt stellenden und die Liebe heilig sprechenden Charakter weiterhin Bestand hat.

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 AKTIVITÄTEN DES ALEVITISCH-BEKTASCHITISCHEN KULTURINSTITUTS

 

Die 1990er Jahre waren eine Zeit, in der die Bipolarität in politischer, militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht in den Hintergrund gedrängt wurde und eine neue Weltordnung sich allmählich zu etablieren begann. Zeitgleich ging damit auch eine Aufhebung sämtlicher aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aufgekommenen politischen Gegenseitigkeiten und Ideen einher. Somit kann von einer inneren Evolution der Anstrengungen um die globale Hegemonie sowie der kapitalistischen Lebens-und Produktionsweisen gesprochen werden. Diese Entwicklungen wirkten sich auch auf die Türkei aus und es traten Neuerungen in den politischen, kulturellen und sozialen Umständen ein.

Die alevitisch-bektaschitische Denk-und Glaubenslehre, die ab dem VIII. Jhdt. zum elementaren Bestandteil der Kulturentwicklung in Anatolien geworden war, wurde von den erfahrenen sozialen, politischen und kulturellen Neuerungen mit beeinflusst. Das Alevitentum stand über die gesamte Geschichte hinweg außerhalb aller in Anatolien vorherrschenden zentraladministrativen und Strukturen und opponierte gegen die traditionelle Denkweise. Die Fortexistenz des Alevitentums als Denk-und Glaubenspraxis primär unter den in der Peripherie lebenden Gruppen brachte im Laufe der Zeit eine nach außen hin geschlossene Gruppe hervor. Diese gesellschaftliche Eigenart der Aleviten hatte bis ins XX. Jhdt. weiterhin Gültigkeit. Ab der 1960er Jahre, als die innere Migration zu einem wesentlichen Problem in der Türkei verkommen war, entwickelte sich die Stadt als solche zur neuen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Realität eines jeden alevitischen Individuums. Parallel zu dieser Entwicklung in Anatolien führte die Arbeitsmigration aus der Türkei nach Europa allgemein zu einem Zustrom und Immigration zahlreicher Aleviten in die westliche Welt. Die urbane Sozialisierung brachte den Aleviten, die über Jahrhunderte hinweg einen kollektiven Überlebenskampf an den Tag legen mussten, erhebliche Nutzen mit sich; jedoch traten von nun an auch neue Probleme sozialer, kultureller und weltanschaulicher Art in den Vordergrund. Die Aleviten erfuhren unter dem Aspekt des Multikulturalismus die Dilemmas bei der Servierung ihrer traditionell-historischen Identität. So zeigten sich diese Probleme in erster Linie bei der Integration des Alevitentums in die urbane Umwelt vor dem Aspekt, dass das Alevitentum in seinem Ursprung in ländlicher Peripherie primär glaubens-und dede­zentristisch sowie auf dem Prinzip dedelik-taliplik geprägt war. Die Schwierigkeiten von Aleviten bei ihrer Zurechtfindung im Stadtleben bestanden bis in die 1990er Jahre weiter und stiegen gar stetig an. Die Entwicklungen in der Welt und der Türkei ab 1990 motivierten die Aleviten zur Benennung ihrer Probleme sowie deren Diskussion und Erörterung von Lösungswegen. Mit ihren Nichtregierungsorganisationen begannen die Aleviten damit, ihre Identitäten in städtischer Umgebung zu vertreten und etablierten letztlich eine der bedeutendsten zivilgesellschaftlichen Bewegungen.

Das Bektaschitentum, das seine weltanschauliche Repräsentanz in der charismatischen Figur von Hadschi Bektasch Wali sieht, hatte dagegen die Züge einer urbangeprägten Struktur und konnte mit dieser Eigenart in Anatolien und auf dem Balkan sich ausbreiten. Mit einer Neuadaption der strukturell-weltanschaulichen Lehre des Bektaschitentums durch Balim Sultan, genannt auch Ikinci Pir, konnte es seine traditionelle Organisation bis auf den heutigen Tag beibehalten. Das Bektaschitentum konnte sogar unter Kaygusuz Abdal im XIV. bis XV. Jhdt. mit der Gründung eines Klosters in Ägypten auch in Nordafrika Fuß fassen. Bektaschitische Klöster wurden neben Istanbul insbesondere in den Stadtzentren in Anatolien und auf dem Balkan sowie vor allem in Bulgarien, Griechenland, Mazedonien, Albanien und dem Kosovo gegründet und waren dort überall bedeutende weltanschaulich-kulturelle Zentren. Die bektaschitischen Klöster spielten als menschzentrierte Stätten schon sehr früh eine gewichtige Rolle im gesellschaftlichen Alltag. Die bektaschitische Lehre, die im Laufe der Geschichte zu einem elementaren Bestandteil des gesellschaftlichen, kulturellen und weltanschaulichen Lebens in Anatolien und auf dem Balkan geworden war, leistet auch heute mittels ihrer zahlreichen Kloster weltweit einen Beitrag in die ideelle und kulturelle Entwicklung der Menschheit.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. wurde 1997 in Deutschland mit dem Ziel gegründet, wissenschaftliche, kulturelle und weltanschauliche Arbeiten und Projekte zu den ideen-und weltanschaulichen Lehren des Alevitentums und Bektaschitentums, deren historische Entwicklung oben kurz angerissen wurde, zu erstellen und durchzuführen. Die Hauptmission des Alevitisch-Bektaschitischen Kulturinstituts e.V. liegt darin, die ideen-und weltanschaulichen Lehren des Aleviten-und Bektaschitentums unter Wahrung deren ideengeschichtlicher und weltanschaulicher Inhalte weiterzuvermitteln und wissenschaftlich zu erforschen. In diesem Zusammenhang hat das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut

e.V. ganz im Sinne seiner Gründungsziele bereits seit seinem Bestehen wissenschaftliche, kulturelle und weltanschauliche Aktivitäten organisiert. Die wichtigste wissenschaftliche Veranstaltung war das 1. Internationale Alevitisch-Bektaschitische Symposium am 10.-11. Januar 1998, die in Bonn unter Teilnahme einiger Dutzend Wissenschaftler und Intellektueller stattfand. Das Symposium hat vor allem vor dem Aspekt seiner Absicht einer wissenschaftlichen Analyse alevitisch-bektaschitischer Traditionen sowie der Schaffung eines Prototyps große Bedeutung. Mit dieser Veranstaltung wurde das Aleviten-Bektaschitentum der internationalen Welt der Wissenschaft und europäischen Universitäten vorgestellt. Namen wie Irene Melikoff, Belkis Temren, Ilhan Selcuk, Fikret Otyam, Mehmet Temren, Mehmet Yaman und Veliyettin Ulusoy haben dort ihre Beiträge und Thesen vorgetragen und wissenschaftliche Abhandlungen über das Aleviten-Bektaschitentum vorgetragen. G. Wiessner und Mahzuni Serif nahmen unter Zusendung ihrer schriftlichen Beiträge auch an der Veranstaltung teil. Alle während dem Symposium vorgetragenen Beiträge und Thesen wurden im Anschluss unter dem Titel 1. Internationales Alevitisch-Bektaschitisches Symposium in Buchform publiziert und an alle betroffenen Stellen und wissenschaftlichen Einrichtungen geschickt und somit akademisch-wissenschaftliches Wissen allgemein zugänglich gemacht. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. hat zudem an Symposien und Veranstaltungen über das Aleviten-Bektaschitentum an Universitäten und Institutionen stets teilgenommen und durch aktive wissenschaftliche Beiträge mitgewirkt. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. hat im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeiten Panelle und Konferenzen organisiert und wird dieses Ziel auch in Zukunft weiterverfolgen und weiterhin Symposien, Panelle und Konferenzen initiieren.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. hat zum Themengebiet alevitisch­bektaschitischer Ideen-und Weltanschauungssysteme wissenschaftliche Bücher herausgegeben. Das erste Buch des Instituts war das Werk des Autors Ass. Prof. Dr. Ali Yaman mit dem Titel Alevi-Bektasi Bibliyografyasi, was insbesondere wegen der Bedeutung einer Katalogisierung alevitisch-bektaschitischer Literatur sehr wichtig erscheint. Darin wurden Fachartikel und Publikationen zum Aleviten-Bektaschitentum wissenschaftlich gelistet und den Forschern zur Verfügung gestellt. Das von Prof. Dr. Belkis Temren geschriebene Buch Bektasi ve Alevi Geleneklerinde Muharrem ist ein weiteres durch das Institut publiziertes Werk. In dem Buch werden die Hintergründe zu den Ereignissen bei Karbala und die Bedeutung des Monats Muharrem unter historischen und weltanschaulichen Aspekten thematisiert. 2004 publizierte das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. Ibrahim Bahadirs Buch Alevi-Bektasi Kadin Dervisleri, worin die Stellung der Frau innerhalb alevitisch-bektaschitischer Traditionen analysiert wird. Außerdem werden in dem Werk weibliche charismatische Persönlichkeiten in der alevitisch-bektaschitischen Lehrtradition vorgestellt.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. führt zudem im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeiten auch Untersuchungen zu den Themen Aleviten-und Bektaschitentum durch. Das Institut vertritt die Auffassung, dass wissenschaftliche Arbeiten unterschiedlicher Disziplinen zum Thema Aleviten-Bektaschitentum gefördert werden sollen. In diesem Sinn hat das Institut die Feldstudie von Ali Duran Gülcicek über die Tahtaci-Aleviten sowie die Untersuchung von Ali Haydar Avci über Pir Sultan Abdal in dem Gebiet Sivas-Yildizeli-Banaz gefördert.

Als eine weitere wichtige Aufgabe sieht das Institut die Feststellung und Katalogisierung wörtlicher und schriftlicher Quellen zur alevitisch-bektaschitischen Geschichte an und betrachtet die Archivierungsarbeiten zur Geschichte als festen Bestandteil seiner Arbeit. So archiviert das Institut Materialien aus Beständen von Einrichtungen oder Wissenschaftlern mittels der Fotokopie in seinem Zentrum. Auf diese Weise wurde schriftliches und visuelles Material vom Forschungszentrum für türkische Kultur und Hadschi Bektasch Wali der Gazi Universität dem Institutsarchiv zugeführt. Benanntes Forschungszentrum für türkische Kultur und Hadschi Bektasch Wali ist die einzige Institution, die wissenschaftliche Forschungsarbeit über das Aleviten-Bektaschitentum durchführt und ist im Besitz einer der wenigen bedeutenden Bibliotheken zum Thema. Darüber hinaus wurden kürzlich Arbeiten von Ayhan Aydin dem Bibliotheksbestand an das Institut als Kopien zugeführt. Das Archiv spielt insbesondere als Sammelstelle für Abbildungen und Reportagen eine tragende Rolle. Beide Projekte wurden in Zusammenarbeit zwischen dem Alevitisch-Bektaschitischen Kulturinstitut e.V. und der Sahkulu Sultan Vakfi Stiftung durchgeführt. Auch in Zukunft wird Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut

e.V. weiterhin Arbeiten und Dokumente von Institutionen und Personen in sein Archiv aufnehmen. Unter den wissenschaftlichen Arbeiten des Instituts sind etwa auch wissenschaftliche und biographische Belege von Prof. Dr. Irene Melikoff, unserer 2009 verstorbenen Ehrenvorsitzenden, befindlich. In einem Interviewgespräch macht Irene Melikoff darin etwa sehr wichtige Feststellungen über das Aleviten-Bektaschitentum. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. hat darüber hinaus sehr wichtige Archivierungsarbeit zur asik-Tradition geleistet.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. hat neben den wissenschaftlichen Aktivitäten und Veranstaltungen gleichzeitig mehrere soziale, kulturelle und weltanschauliche Aktivitäten organisiert. So nimmt das Institut regelmäßig an den jährlich durchgeführten Veranstaltungen zu Ehren von Hadschi Bektasch Wali als eine der wichtigsten Ereignisse alevitisch-bektaschitischer Weltanschauungs-und Kulturtradition teil. Das Institut fördert und partizipiert an sämtlichen bedeutenden wissenschaftlichen, weltanschaulichen und kulturellen Aktivitäten. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. geht bei der Organisation weltanschaulich-kultureller Veranstaltungen Zusammenarbeiten mit weiteren alevitisch­bektaschitischen Institutionen ein. In der Vergangenheit gehörten dazu etwa gemeinsame Veranstaltungen mit der Stiftung Sahkulu Sultan Vakfi sowie dem Verein Karacaahmet Sultan Kültürünü Yayma ve Yasatma Dernegi. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut

e.V. führt jedes Jahr weltanschaulich-kulturelle Programmveranstaltungen zu den Terminen an hidirellez, nevruz und muharrem durch. Seit zwei Jahren werden etwa die Feierlichkeiten zum inzwischen traditionellen hidirellez unter großer Teilnahme gemeinsam feierlich begangen. Zu den hidirellez-Feiern sind neben Mitgliedern alevitisch-bektaschitischer Gemeinden vor allem Gäste anderer Glaubensgemeinschaften oder Lager zugegen.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. hat sich dazu entschieden, das Konzept der Stiftung als weiteren Schritt auf dem Weg ihrer künftigen intensiven Arbeitsweise zu etablieren. Die hierzu erforderlichen offiziellen Vorbereitungen sind bereits größtenteils beendet; mit der Umwandlung des Vereins in eine Stiftung wird bei der Institutionalisierung unserer Einrichtung eine wichtige Etappe erreicht.

Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. führt seine Aktivitäten seit 2007 unter der Adresse Malberg 1 in 53547 Hausen (Wied) weiter. Die Arbeitsgruppen arbeiten auf einem 12 Hektar großen Areal in einem dreistöckigen Haus, worin ein Speisesaal, eine Gästeküche, eine Bibliothek, ein Konferenzraum und sowie mehrere Gästeunterkünfte integriert sind. Daneben existiert im Institut ein bektaschitisches Gebetsversammlungshaus nebst einem alevitischen Gotteshaus. Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e.V. wird seine Aktivitäten zur alevitisch-bektaschitischen Kultur auch in der Zukunft verstärkt fortsetzen.